Der Begriff Osteopathie setzt sich zusammen aus „Osteo“ = Knochen und „pathie“ = Leiden, weshalb sie in vielen Ländern mit reiner Chiropraktik gleichgesetzt wird. Hier in Deutschland behandelt
diese Therapie aber nicht nur „die Knochen“, also den Bewegungsapparat, sondern jedes Gewebe des Menschen, wirkt also auf den ganzen Körper ein und beeinflusst damit den gesamten
Organismus.
Es werden dabei verschiedene Teilbereiche unterschieden:
- die parietale Osteopathie betrachtet den Bewegungsapparat, also Bindegewebe, Muskulatur und Gelenke.
- die viszerale (viscera = Eingeweide) Osteopathie behandelt alle inneren Organe und deren bindegewebige Aufhängung.
- die Cranio-Sacrale Osteopathie beschäftigt sich mit der, durch das zentrale Nervensystem verbundenen, anatomischen Einheit von Schädel (Cranium) und Kreuzbein (Sacrum), die sich durch einen inneren Rhythmus ausdrückt.
- die fasziale Osteopathie umfasst spezielle Techniken für Bindegewebsstrukturen.
Hintergrund dieser umfassenden Betrachtung des menschlichen Organismus ist, dass oft ein Symptom in einem System nicht die Ursache in diesem System hat. Zum Beispiel Rückenschmerzen in Folge
eines Beckenschiefstandes = parietales System. Die eigentliche Ursache könnte aber auch im viszeralen System liegen. Korrigiert man in diesem Fall lediglich den Beckenschiefstand, wird zwar eine
kurzfristige Linderung der Beschwerden erreicht, das Grundproblem ist aber nicht beseitigt, weshalb die Rückenschmerzen immer wieder auftreten. Bei unserem Beispiel könnte ein Dünndarmproblem die
eigentliche Ursache sein. Ein Hinweis darauf wäre, wenn der betroffene Patient viel unter Blähungen leidet. Ein schwacher, geblähter Darm benötigt nicht nur mehr Platz als ein gesunder Darm,
sondern wird auch andere Strukturen für sich arbeiten lassen, da er selbst nicht mehr die Kraft hat, „erschöpft“ ist. Da alle Organe am knöchernen Gerüst fixiert sind, kann ein
erschöpftes Organ, das sich (zu) schwer an seine knöchernen Fixierung hängt, unter Umständen zu einer Gelenkfehlstellung führen, die sich irgendwann in Form von Rückenschmerzen zum Ausdruck
bringen kann.